Die Roten Falken sind eine Kinder- und Jugendorganisation, die in der Schweiz aktuell in Bern und Zürich aktiv ist. Bei uns stehen Spiel, Spass und Solidarität an erster Stelle. Wir fahren durchs Jahr in mehrere Weekends und grössere, auch internationale Lager. Wir sind viel draussen und verbringen unsere Zeit im Wald und am See, auch im Winter wollen wir nicht zu viel Zeit mit Stubenhocken verbringen und gehen Schlittschuhlaufen, ins Hallenbad oder verbringen den Nachmittag in unserem Gruppenlokal, wo wir basteln, backen und spielen.
Uns ist es wichtig, nachhaltiges Denken, wie auch Selbstbestimmung und Kreativität zu fördern und zu leben. Im Falkenalltag haben wir die Möglichkeit, uns selbst zu sein, damit wir uns austoben können, damit wir träumen können und damit wir alle zusammen mit lauter Stimme unsere Forderung nach einer gerechteren Welt vertreten können.
Historisch entstanden die Roten Falken in den 1920er Jahren, um Arbeiterkindern ein pädagogisch sinnvolles Freizeitangebot anzubieten. Seit über 100 Jahren organisieren die Roten Falken Samstagnachmittagsprogramme und Ferienlager für Kinder und Jugendliche.

Falkenversprechen
Unsere Freundschaft bedeutet uns viel, wir sind ehrlich und respektvoll zueinander.
Wir sind Kinder und Jugendliche, die sich für das Geschehen auf der Welt interessieren.
In unserer Gruppe zählt die Meinung eines jeden Einzelnen gleich viel. Leiter*innen sind Helfer*innen, nicht Anführer*innen.
Für uns Falken sind alle Menschen gleichwertig, und wir leben nach dieser Überzeugung.
Wir sind hilfsbereit und setzen uns auch im Alltag gegen Ungerechtigkeiten ein.
In unserem Leben gibt es Wichtigeres als der Besitz von Geld und teuren Dingen.
Wir reden und träumen nicht nur, sondern setzen uns aktiv für eine friedliche, gerechte und freie Welt ein.
Wir achten die Natur und tragen bewusst unseren Teil zum Umweltschutz bei.
Wir setzen uns für eine Gesellschaft ein, in der Kinder und Jugendliche Platz haben und ihre Bedürfnisse ernst genommen werden.
Falkenpädagogik
„Falkenpädagogik fordert von Erwachsenen, nichts anderes als Konsequenz; dass sie all die Grundsätze, die sie innerhalb der menschlichen Gesellschaft verwirklicht haben wollen auch im Umgang mit Menschen, die schwächer sind als sie, verwirklichen. Verzicht auf Herrschaft gegenüber den Schwächeren, trotzdem man selbst als Schwächerer beherrscht worden ist, Verzicht also auf jegliches Erwachsenenvorrecht gegenüber den Kindern, das ist die wichtigste Forderung.“
Otto Felix Kanitz, früher Falkenpädagoge in Deutschland
Zentrale Elemente der in den Falken gelebten pädagogischen Werten sind die Gleichberechtigung aller Mitglieder sowie die Mitbestimmung und -gestaltung der Kinder im Gruppenleben.
Keine kleine Soldaten erziehen
Antimilitarismus, d. h. eine Erziehung, die nicht auf die Erziehung zu Gehorsam und Soldatentum abzielt, war bereits früh in den 1930er Jahren schon wichtiger Bestandteil der Falken und damalig klare Abgrenzung zu anderen Kinder- und Jugendorganisationen. So gibt es in den Falken keine aufgezwungenen Mutproben oder Ähnliches.
Koedukation und Geschlechter-Erziehung
Die Falken waren von Anfang an unter den Geschlechtern nicht getrennt und sind das bis heute. Das gemeinsame Aufwachsen und der gegenseitige Respekt ist für uns ein wichtiger Teil der Geschlechtererziehung. Kinder sollen auch Kinder sein dürfen und sich nicht aufgrund ihres Geschlechtes in eine Rolle gedrückt fühlen oder einem eigenen Interesse nicht nachgehen dürfen. Dafür arbeiten wir regelmässig, in dem wir Helfer*innen selbst versuchen, ein anderes Miteinander vorzuleben, in dem auch Mädchen Fussball spielen und Männer sich schminken dürfen, ohne dafür abgewertet zu werden, und die Kinder darin zu bestärken, ihren Interessen nachzugehen.
International
International sind wir im International Falcon Movement – Socialist Education International IFM-SEI (dt. Internationale Falkebewegung – Sozialistische Erziehungsinternationale) organisiert. Regelmässig sind wir im Austausch mit Mitgliedsorganisationen aus der ganzen Welt, insbesondere mit unseren Schwesterorganisationen in Deutschland (SJD – Die Falken) und Österreich.
Es finden regelmässig und für verschiedene Alterskategorien internationale Events statt. Besonders hervorzuheben ist hierbei das IFM-Camp, welches alle paar Jahre stattfindet, bei dem sich Falken aus der ganzen Welt für zwei Wochen treffen und gemeinsam ein Sommerlager verbringen. Das letzte IFM-Camp fand 2025 in Österreich statt.

In den 1910er- und 1920er-Jahren entstanden aus der Arbeiterbewegung heraus in mehreren europäischen Ländern die Kinderfreundebewegung sowie die Roten Falken. In der Schweiz wurde 1922 in Bern die erste Gruppe gegründet. Kurz darauf entstanden weitere Gruppen in Zürich, Biel, Burgdorf.
Geschichte
Für die Geschichte der schweizerischen Kinderfreunde-Organisationen besonders wichtig war die Gründung des “Arbeitervereins Kinderfreunde Biel” durch Albert Hofer (1873-1963). In Bern war es Anny Klawa-Morf, die 1922 gemeinsam mit Karl Geissbühler die erste Gruppe der Kinderfreunde ins Leben rief. Kurz darauf wurden in Zürich, Basel und Burgdorf weitere Gruppen gegründet. 1927 wurde Dr. Max Winter, einer der bekanntesten Förderer der internationalen Kinderfreundebewegung, in die Schweiz eingeladen. Im Anschluss an sein Referat in Bern nahmen Jenny Grimm, Eugen Münch und John Klawa die Gründung eines Schweizerischen Landesverbandes an die Hand. Die erste Konferenz des LASKO wurde 1928 in Bern abgehalten. Markenzeichen der Falkenbewegung waren die grossen Zeltlager (“Kinderrepublik”). Diese waren ein Übungsfeld der demokratischen Erziehung nach sozialistischen Werten. Die Kinder und Jugendlichen (bis zu 3000!) organisierten sich in Lagerräten und -parlamenten und gaben den Zeltlagern so ihre eigene Struktur. Dabei waren, nebst dem alltäglichen Lagerleben, vor allem die Werte der Gleichheit und Gerechtigkeit ein Thema.
In seinen besten Zeiten zählte der LASKO 41 Ortsgruppen mit rund 2000 erwachsenen Mitgliedern, 180 Helfern und 3000 Kindern. Der LASKO wurde 1996 aufgelöst. Heute gibt es in Zürich und Bern aktive Falkengruppen. Die Kinderfreunde Biel bieten umweltpädagogische Lager für Kinder an.
Die Archivbestände befinden sich grösstenteils im Schweizerischen Sozialarchiv.




